2 Demografische Veränderungen in der Bevölkerungsstruktur

Um auf die Problematik von Benachteiligungen und Diskriminierung bei älteren Menschen näher einzugehen, ist es sinnvoll, zunächst einen Blick auf die Bevölkerungsstruktur in Deutschland zu werfen:

Die zukünftige gesellschaftliche Entwicklung wird stark beeinflusst von dem demographischen Wandel in Deutschland. Nach den Bevölkerungsvorausberechnungen des Statistischen Bundesamts /Link/ ergibt sich ein langfristiger Bevölkerungsrückgang. So wird davon ausgegangen, dass sich bedingt – durch den Rückgang der Geburtenziffern und unter Berücksichtigung einer diagnostizierten Abwanderung - die Bevölkerungszahl in Deutschland von derzeit 82 Millionen auf eine Größenordnung zwischen 74 und 69 Millionen Menschen im Jahr 2050 einpendelt. (weitere Veröffentlichungen des Statistischen Bundesamts /Link/)

Infolge der gestiegenen Lebenserwartung wird die Bevölkerung immer älter, beeinflusst durch verbesserte medizinische Versorgung und durch die Verbesserung der Arbeits- und Lebensbedingungen. Wie sich das wachsende Geburtendefizit und der kontinuierliche An-stieg der Lebenserwartung auf den Altersaufbau der Bevölkerung auswirken, lässt sich aus den Bevölkerungsstrukturen für die Jahre 1910, 1950, 2005 und 2050 des Statistischen Bundesamts feststellen (11. koordinierte Bevölkerungsvorausberechnung 2006 /Link/):

 

2.1 Altersaufbau der Bevölkerung in Deutschland 1910, 1950, 2005 und 2050

Entnommen aus der Veröffentlichung des Statistischen Bundesamtes 2006:
„Bevölkerung Deutschlands bis 2050
11. koordinierte Bevölkerungsvorausberechnung“, /Link/, Seite 16

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts waren die Anteile der jungen Menschen in der Bevölkerung noch sehr hoch, der Anteil der älteren Menschen dagegen niedrig. Der Altersaufbau konnte in Form einer Pyramide dargestellt werden, die jedoch mittlerweile aus der Form geraten ist. Heute gleicht der Bevölkerungsaufbau eher einer „zerzausten Wettertanne“. Das mittlere Alter ist am stärksten besetzt, zu den Älteren und den Jüngeren gehören weniger Personen. Ende 2005 waren die 1964 Geborenen als 41-Jährige als sogenannte Babyboomer das am stärksten besetzte Altersjahr. Nach den Vorausberechnungen des Statistischen Bundesamtes (mittlere Variante) wird bis zum Jahr 2030 jeder 3. Bundesbürger älter als 60 Jahre sein. Das zeigt sich besonders darin, wenn der Eintritt der Babyboomer aus 1964 in das Rentnerdasein (2029) erfolgt. Die Verschiebung der Alterstruktur setzt sich – wie die Bevölkerungspyramide für das Jahr 2050 zeigt - weiter fort. So werden 2050 die Altersjahrgänge der etwa 60-Jährigen am stärksten vertreten sein. Der Anteil der 80-Jährigen wird dann höher sein als der Anteil der Neugeborenen.

Die Zahl der ab 65-Jährigen steigt bis zum Ende der 2030er Jahre etwa um die Hälfte: Von knapp 16 Millionen auf ca. 24 Millionen. Danach wird sie leicht zurückgehen. Die Bevölkerung ab 80 Jahren nimmt unablässig zu: Von 3,7 Millionen im Jahr 2005 auf 10 Millionen im Jahr 2050 („mittlere“ Bevölkerung). Dann werden über 40 % der 65-Jährigen und Älteren mindestens 80 Jahre alt sein. Umso wichtiger ist es, sich nicht nur den Interessen und Bedürfnissen der jüngeren Alten zuzuwenden, sondern auch dieser stark wachsenden Gruppe mehr Aufmerksamkeit zu widmen.

 

2.2 Demografische Veränderungen der Bevölkerung im Erwerbsalter

Auch die Bevölkerung im Erwerbsalter altert und schrumpft langfristig. Bis etwa 2015 bleibt die Zahl der 20- bis unter 65-Jährigen stabil bei rund 50 Millionen.
Um 2030, wenn die bis 1965 Geborenen mindestens 65 Jahre alt sind, wird der Rückgang deutlich spürbar sein und sich anschließend weiter verstärken. Die Bevölkerung im Erwerbsalter beträgt 2030 noch 42 bis 44 Millionen und 2050 zwischen 35 und 39 Millionen. Um 2050 werden unter Berücksichtigung nicht diagnostizierbarer Zu- und Abwanderung ca. 22 % - 29 % weniger Menschen im Erwerbsalter sein als heute. Eine Heraufsetzung des Rentenalters von 65 auf 67 Jahre würde die Bevölkerung im Erwerbsalter um ca. 2 Millionen erhöhen. Immer weniger junge Menschen stehen immer mehr älteren Menschen gegenüber. Die Alterstruktur innerhalb des Erwerbsalters verschiebt sich deutlich zu den Älteren und wird durch diese stark geprägt sein (Statistisches Bundesamt, 11. Bevölkerungs­vorausberechnung).

 

2.3 Altenquotient

Der Altenquotient bildet das Verhältnis der Personen im Rentenalter (zur Zeit im Alter von 65 Jahren und älter) zu 100 Personen im erwerbsfähigen Alter (z. Zt. 20 bis 65 Jahre) ab. Der Bevölkerung im Erwerbsalter werden künftig immer mehr Senioren gegenüberstehen. Im Jahr 2005 entfielen auf 100 Personen im Erwerbsalter 32 Ältere. Im Jahr 2030 wird dieser Altenquotient bei 50 bzw. 52 und im Jahr 2050 bei 60 bzw. 64 liegen (11. Bevölkerungsvorausberechnung).

Bei aller Schwierigkeit und Unsicherheit, den demographischen Strukturwandel unter Berücksichtigung verschiedener Varianten durch Prognosen im Voraus zu ermitteln, kann festgehalten werden, dass diese tendenzielle Entwicklung in besonderem Maße starken Einfluss nehmen wird auf die Wirtschafts-, Sozial-, Gesundheits- und Seniorenpolitik. Die aufgezeigte demografische Entwicklung in Richtung auf eine Dominanz der älteren Menschen darf jedoch nicht zur Diskriminierung dieser Menschen führen. Nach Auffassung von Forschung, Wissenschaft, Politik und Gesellschaft können die mit dem demografischen Wandel verbundenen Herausforderungen nur generationenübergreifend bewältigt werden.

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