Sozialistisch? Sozialdemokratisch! Bürgerlich!

Das Wort sozial stammt aus dem Lateinischen (socialis) und bedeutet “kameradschaftlich, gemeinschaftlich“. Daraus abgeleitet ist das Wort Sozialismus (mit zugehörigem Adjektiv sozialistisch), das – im eigentlichen Sinn – „Maßnahmen zur Bildung einer sozialen Gemeinschaft“ bedeutet. Dies war – theoretisch – auch das ursprüngliche Ziel der Sozialisten, die sich geeignete Maßnahmen dafür ausdachten, um eine soziale, gerechte Gemeinschaft zu bilden.
Doch wie es häufig in der Politik – ähnlich wie auch bei Religionen – der Fall ist, wenn es darum geht, Übel zu beseitigen und bessere Zustände zu erreichen, treten Personen auf, die davon überzeugt sind, als einzige die richtigen Methoden dafür zu besitzen und diese mit allen Mitteln in die Tat umsetzen zu müssen – häufig umso fanatischer, je realitätsferner ihre Ideen sind. Kritisch wird es, wenn es solchen Personen gelingt, die alleinige – diktatorische – Macht in einem Land zu erringen und ihre Vorstellungen den Menschen aufzwingen zu können.

Dies war der Fall in Russland 1922 durch Gründung der „Union der sozialistischen Sowjetrepubliken“ und danach auch in einigen anderen Ländern, in denen sich unter dem Mantel „Sozialismus“ totalitäre Regime bildeten. Dadurch verbindet man heute mit dem Begriff „Sozialismus“ häufig eine doktrinäre, realitätsferne Ideologie in Verbindung mit diktatorischen Regierungen.

Die SPD hat sich dagegen bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts eindeutig von den revolutionären, diktatorischen Bestrebungen verschiedener sozialistischer Bewegungen der damaligen Zeit getrennt mit dem Ziel, eine sozial gerechte Gemeinschaft auf freiheitlicher, demokratischer Basis zu erreichen.

Allerdings beging sie – aus damaliger Sicht – „den Fehler“, sich für die arbeitende Bevölkerung einzusetzen, die damals nicht als dem Bürgertum zugehörig betrachtet wurde, und war damit keine „bürgerliche Partei“. Diese Trennung hat sich in den Köpfen mancher Leute bis heute festgesetzt, die immer noch von „bürgerlichen Parteien“ reden und darunter nur die sog. konservativen Parteien verstehen, wobei unterschwellig unterstellt wird, dass die Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten keine vollwertigen Bürger seien.

Es ist deshalb ein Zeichen von Unwissenheit oder absichtlicher Diskriminierung, wenn die SPD mit Sozialismus – mit der Suggestion einer ideologischen Verblendung – verbunden wird. Und es ist unsinnig, der SPD die Bezeichnung „bürgerliche Partei“ abzusprechen, es sei denn, man versteht unter einem „Bürger“ den sprichwörtlichen „Spießbürger“.
21.05.2009 gm

„Das sogenannte bürgerliche Lager“/Link/
Hör mal hin!
17.09.2009

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