Es wurden von uns vier Modellrechnungen durchgeführt, die sich bezüglich der Altersstruktur der Bevölkerung unterscheiden.
Es wurde dabei von folgenden Fällen ausgegangen:
- 1. Altersstruktur, wie sie sich gemäß der Sterbetafel darstellt
- 2. Altersstruktur der Bevölkerung im Jahr 2024
- 3. Voraussichtliche Altersstruktur der Bevölkerung im Jahr 2055 („Variante 14“)
- 4. Voraussichtliche Altersstruktur der Bevölkerung im Jahr 2055 („Variante 21“)
Rechenmethode
In allen vier Fällen gehen wir von Statistiken des Statistischen Bundesamtes, Wiesbaden, (Destatis) aus /Link/.
Hinweis: Destatis, nicht zu verwechseln mit der Firma statista /Link/, die Statistiken aus unterschiedlichen Quellen, z. B. vom Statistischen Bundesamt, sammelt, erstellt und verkauft.
Aus der Sterbetafel /Link/ für 2022/24, männlich, entnehmen wir die Datenpaare J und A1(J) für J= 0 bis 100. Dabei ist J das Alter der Menschen und A1(J) die Anzahl der Menschen mit dem Alter J.
Wir gehen also von folgender Tabelle aus, wobei wir hier viele Zeilen weggelassen haben.
J A(J)
0 100000 Geburten
1 99662
2 99637
...
10 99545
...
60 91121
...
65 85967
66 84641
67 83219
...
70 78299
...
75 67977
...
80 54503
81 51335
82 48073
...
84 41145
85 37462
...
90 18432
...
100 515
Aus dieser Tabelle folgt, dass schon bei der Geburt von 100 000 Kinder im ersten Lebensjahr im Durchschnitt 338 sterben. Das Renteneintrittsalter von 67 Jahren wird von ca. 83 % der Bevölkerung erreicht. Zwischen 81 und 82 Jahre ist die Hälfte der Menschen gestorben, d. h. die Lebenserwartung für Neugeborene beträgt etwa 81 Jahre.
Die Tabelle zeigt aber auch, dass für diejenigen, die das Renteneintrittsalter (67 Jahre) erreicht haben, die Lebenserwartung auf etwa 84 Jahren gestiegen ist. Unsere Rechnung liefert als Ergebnis, dass 17,8 Jahre die durchschnittliche Bezugsdauer der Altersrente ist.
Wir nehmen für unsere 1. Rechnung an, dass in jedem Jahr die gleiche Anzahl von Kindern geboren wird, was in Wirklichkeit nicht der Fall ist. Dann gelten die Zahlen in der Tabelle auch für die Anzahl A1(J) der Personen im Alter J für das Jahr 2024.
Ähnliche Tabellen gibt es auch für die aktuelle Bevölkerungsstruktur A2(J) von 2024 und zwei vorausberechnete, angenommene Bevölkerungsstrukturen A3(J) und A4(J) für 2055 /Link/.
Die Rechnung läuft in allen vier Fällen wie folgt ab: Ausgangspunkt ist eine der Tabellen Ai(J), wobei Ai für A1, A2, A3 und A4 steht.
Wir vereinfachen die Rechnung insofern, dass jeder Betragszahler im Durchschnitt jedes Jahr einen Beitragspunkt (kurz: Punkt) erhält. Also ist die Anzahl Ai(J) der Beitragszahler im Jahr J auch die Anzahl der Punkte, die die Beitragszahler im Jahr J erhält.
Wir nehmen an, der Beitrag wird 45 Jahre lang eingezahlt und zwar für die Jahre J = 21, 22, 23, 24, 25, 26, ..., 65.
Ab dem Jahr 66 bis 100 Jahre gibt es dann Rente. Die Zahl der Renten nach 100 Jahren ist so gering, dass wir sie vernachlässigen können, sie fehlen auch in der Statistik.
In jedem Monat schreibt die Rentenversicherung den Beitragszahlern PSUM Punkte gut.
PSUM = Ai(21) + Ai(22) + Ai(23) + … + Ai(65)
Dafür erhält die Rentenversicherung RENEIN Euro pro Monat.
RENEIN = PSUM * 657,51
Dabei sind z. Z. 657,51 Euro pro Monat der Beitrag für 1 Punkt pro Jahr.
In diesem Monat zahlt sie für RSUM Rentner insgesamt RENAUS Euro an Rente:
RSUM = PSUM = Ai(66) + Ai(67) + … + Ai(100)
RENAUS = RSUM * 40,79 * 45
Dabei sind 40,79 Euro die Rente pro Monat für einen Punkt und die Zahl 45, die der gesammelten Punkte in 45 Beitragsjahren.
Man könnte nun diese beiden Zahlen RENEIN und RENAUS miteinander vergleichen.
Damit die beiden Geldsummen wirklichkeitsnäher sind (wir sind von 100 000 Geburten pro Jahr ausgegangen), passen wir die Summe von PSUM und RSUM mittels des Faktors FAK an die Zahl aller Mitglieder ZMIT in der Rentenversicherung an.
FAK = ZMIT / (PSUM+RSUM)
Dann wird
RENEING = RENEIN * FAK
RENAUSG = RENAUS * FAK
Eingabedaten
1.) Altersstruktur, wie sie sich gemäß der Sterbetafel ergibt. Die Sterbetafel gibt an, wie viele Kinder, von 100 000 geborenen Kindern in einem Jahr, im Durchschnitt ein gewisses Alter erreichen werden. Für die erste Rechnung nehmen wir an, dass jedes Jahr die gleiche Anzahl der Kinder geboren wird, was ein Idealzustand wäre, aber in Wirklichkeit nicht der Fall ist. Nur dann gelten die Zahlen in der Sterbetafel auch für die Anzahl A1(J) der Personen im Alter J, d. h. nur dann gibt die Sterbetafel auch die Altersstruktur der Bevölkerung wieder.
2.) Altersstruktur der Bevölkerung im Jahr 2024
Quelle: Statisches Bundesamt (Destatis) /Link/.
3.) Variante 14 der angenommenen Altersstruktur der Bevölkerung im Jahr 2055
Quelle: Statisches Bundesamt (Destatis) /Link/.
„16. koordinierte Bevölkerungsvorausberechnung für Deutschland Variante 14: Moderate Entwicklung der Geburtenrate, starker Anstieg der Lebenserwartung und niedriger Wanderungssaldo (G2L3W1)“
Wir haben mit der Variante 14 bewusst ein Szenarium mit niedrigen Geburtenraten und moderaten Einwanderungsquoten gewählt. Die Grafik kann interaktiv bedient und die betreffende Altersstruktur heruntergeladen werden. Wir haben die zugehörige Altersstruktur für Frauen für unsere Rechnung heruntergeladen. Für Frauen erwarten wir ein etwas ungünstigeres Ergebnis als bei Männern, weil die Lebenserwartung der Frauen höher ist als die der Männer.
4.) Variante 21 der Altersstruktur der Bevölkerung im Jahr 2055
Quelle: Statisches Bundesamt (Destatis) /Link/.
„16. koordinierte Bevölkerungsvorausberechnung für Deutschland Variante 21: Deutlich steigende Geburtenrate, Moderate Entwicklung der Lebenserwartung und hoher Wanderungssaldo (G3L2W3)“
Quelle: /Link/.
Ergebnis:
Für das Renteneintrittsalter wurden 66 Jahre eingesetzt.
Für die 1. Rechnung wurde die Sterbetafel
für die 2. Rechnung wurde die Bevölkerungsstruktur von 2024,
für die 3. Rechnung wurde die Variante 14 der Bevölkerungsstruktur von 2055 und
für die 4. Rechnung wurde die Variante 21 der Bevölkerungsstruktur von 2055 zugrunde gelegt.
Rechn. Beiträge Renten Verhältnis
Nr. Mio.€* Mio.€*
1 28409 27104 0.954 Sterbetafel
2 29023 25388 0.875 B.struktur 24
3 23402 41081 1.755 B.struktur 55, V14
4 24823 37113 1.495 B.struktur 55, V21
Wiederholung der Rechnungen 1,2,4 für ein Renteneintrittsalter von 69 Jahren
5 29611 23748 0.802 Sterbetafel
6 30490 21292 0.698 B.struktur 24
7 26253 33122 1.262 B.struktur 55, V21
*pro Monat
Die Rechnungen 1 und 2 (mit der Sterbetafel und mit der aktuellen Bevölkerungsstruktur) ergeben, dass die in die Rentenversicherung eingezahlten Beiträge höher liegen als die Ausgaben für die Zahlung der Altersrenten. Nach Rechnung 2, die von der realistischen Situation ausgeht, müsste die Rentenversicherung z. Z. einen Überschuss von etwa 3,7 Milliarden Euro erwirtschaftet haben. Wir vermuten zwar, dass alle Euro-Beträge in Wirklichkeit kleiner sind als die Tabelle angibt, weil viele Einzahlungen kleiner sind und es so nur weniger Punkte gibt und auch viele Beitragszeiten kürzer sind. Solange sich das aber statistisch gesehen, über alle Jahrgänge verteilt, dürfte sich am Verhältnis der Beiträge und der Renten kaum etwas ändern.
Die 3. Rechnung zeigt, dass bei der 2055 angenommen Bevölkerungsstruktur die Rentenversicherung 2055 jeden Monat ca. 41 Milliarden Euro an Rente bezahlen müsste, aber nur 23 Milliarden Euro einnimmt.
Die 4. Rechnung weist etwas abgemildert ein ähnliches Resultat auf.
Eine Wiederholung der Rechnungen 1,2,4 für ein Renteneintrittsalter von 69 statt 66 Jahren zeigt, dass bei Rechnung 7 immer noch die Zahlungen für die Renten höher liegen als die Beitragszahlungen, auch wenn die Abstände geringer geworden sind.
So kann es u. E. nicht weitergehen. Auch aus dem Bundeshaushalt können in 30 Jahren nicht jeden Monat ca. 41-23 = 18 Milliarden Euro entnommen werden, um die Lücke zu stopfen. Man beachte, dass alle Zahlen für Geldbeträge nach heutigem Wert stehen. Im Jahr 2055 sind die Zahlen wegen der Inflation vermutlich doppelt so hoch oder noch höher.
Man wird auf Dauer eine weitere Erhöhung des Renteneintrittsalters - u. E. nur sinnvoll, wenn die Lebenserwartung weiter ansteigt - kaum vermeiden können und man wird vielleicht auch den Regelbeitrag um 1 %, also von 18,6 % auf 19,6 % erhöhen. Bei Rechnung 7 würde diese Erhöhung des Regelbeitrags die Einnahmen von 26 253 Mio. Euro um ca. 5 % auf etwa 27 500 erhöhen, was immer noch kleiner ist als die Ausgaben von 33 122 Mio. Euro pro Monat. Die Änderung des Regelbeitrag ist kein Allheilmittel. Unserer Meinung ist es nur ein Mittel, kleinere Schwankungen schnell und unkompliziert, d. h. in ein oder zwei Jahren, austarieren zu können (sozusagen die Feinjustierung in der Rentenversicherung)◊
11.02.2025 r



