Aus unserer Sicht bot die Kernenergie eine sichere Möglichkeit, die Klimaziele zu den ursprünglich vereinbarten Zeitpunkten zu erreichen. Aber die mit der Kernenergie verbundenen Risiken schienen den meisten Menschen zu hoch zu sein und der Ausstieg in den 2000-er Jahren konnte neben den Grünen auch gerade den Unionsparteien nicht schnell genug gehen.
Die Abschaltung der AKWs war am 30. Juni 2011 vom Bundestag per Gesetz (§ 7 Abs. 1a Atomgesetz /Link/) beschlossen worden und die Atomindustrie hat den Ausstieg kontinuierlich umgesetzt. Die letzten drei AKWs sollten am 31.12.2022 abgeschaltet werden.
Unser ehemaliger Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) tat mit der Ampelkoalition das einzig Richtige, die drei letzten AKWs abzuschalten. U. E. war zu dieser Zeit auch kein sicherer und wirtschaftlich sinnvoller Betrieb mehr möglich.
Die drei AKWs wurden dann noch - durch den Winter hindurch - bis zum 15.04.2023 im Streckbetrieb gefahren, um sie dann endgültig auszuschalten. Olaf Scholz bewies damit einmal mehr, dass er sich dem Wohl der Menschen in Deutschland verpflichtet fühlte; u. E. im Gegensatz zu Mitgliedern der FDP, Union und Anderen.
Jetzt werden Minikernkraftwerke (Small Modular Reactors, SMRs) aus konservativen Kreisen verstärkt ins Gespräch gebracht. Solche SMRs werden zwar von mehreren Firmen aus China, Kanada, Russland, USA, … angeboten, aber unseres Wissens gibt es nirgendwo einen sicher funktionierenden und wirtschaftlich arbeitenden SMR, den Deutschland kaufen könnte. Das bedeutet, es müsste erst einmal Entwicklungsarbeit geleistet werden, deren Zeitaufwand und Kosten schwer abzuschätzen sind und/oder wir machen uns in dieser Sache völlig abhängig vom Goodwill ausländischer Hersteller, Betreiber und deren Politik.
Außerdem müsste dazu wieder die erforderliche Infrastruktur aufgebaut werden. Die Fachleute der Kernindustrie in Deutschland dürften sich weitgehend im Ruhestand befinden und damit wäre auch ihr Fachwissen verloren gegangen.
Es ist zwar richtig, dass die abgebrannten Brennstäbe noch sehr viel nutzbare Energie enthalten. Vielleicht sind zukünftige Generationen sogar froh, wenn sie die Brennstäbe aus einem (möglichen) Endlager zurückholen können, um die restliche Energie nutzbar machen zu können. Die Aufbereitung der Brennstäbe ist aber äußerst aufwendig - mit oder ohne Transmutation - und ohne eine entsprechende Industrie unmöglich. Daran würde auch ein neues Transmutationsgesetz, wie es der bayerische Ministerpräsident Söder (CSU) ins Gespräch bringt, nichts ändern.
Es ist u. E. ein Märchen, dass man in SMRs irgendwelche Brennstäbe stecken kann. Die Brennstäbe müssen für jeden Reaktor individuell neu geplant und speziell angefertigt werden, wie damals in Hanau (Hessen).
Der Zug für die Kernenergie in Deutschland ist - im Gegensatz zur Kernenergie in einem Teil unserer Nachbarstaaten - nun einmal abgefahren.
Kernfusion
Dahingegen verspricht die Kernfusion, eine nahezu unerschöpfliche und nicht so risikoreiche Energiequelle zu werden. ABER WANN?
Bei der Kernfusion wird Wasserstoff in Helium umgewandelt, dabei wird eine gewaltige Energiemenge frei. Auf dem Weg dahin müssen jedoch noch einige physikalische und technische Hürden überwunden werden und die späteren Baukosten für ein Fusionskraftwerk dürfen nicht unendlich hoch werden. Es ist u. E. noch offen, ob das gelingen kann, obwohl bei der Anlage ITER in Cadarache (Südfrankreich) und bei der Stellaratoranlage Wendelstein 7-X in Greifswald (Mecklenburg-Vorpommern) durchaus gute Fortschritte zu erkennen sind.
Wir halten es für verfrüht, jetzt schon eine oder zwei(?) weitere(n) Anlage(n) zu planen /Link/.
Aus unserer Sicht sollte die Forschung in der Fusionsanlage, Greifswald, weiterhin konzentriert fortgeführt werden. Und die kostet viel Geld, wenn sie zum Erfolg führen soll. Irgendwann wird dann auch eine Fabrik benötigt, die die erforderlichen Magnete herstellen kann. Gerade für Stellaratoranlagen werden äußerst kompliziert gebaute Magnete benötigt.
Aktionismus, wie wir ihn schon häufiger aus Bayern erlebt haben, führt in dieser Sache nicht weiter. Wir brauchen endlich ein ENDLAGER für den hochradioaktiven Atommüll!!◊
18.03.2026 r
Nachtrag vom 06.04.2026
Der bayerische Ministerpräsident Söder (CSU) hat plötzlich seine Liebe zur Kernkraft entdeckt. So soll - wenn wir das richtig verstanden haben, - in Bayern
- ein Minikernkraftwerk (SMR)
- eine Transmutationanlage und
- ein Demo-Fusionskraftwerk
gebaut werden.
SMRs
Auch SMRs sind Kernkraftwerke, bei denen genau so hohe Sicherheitsanforderungen gestellt werden müssen wie bei herkömmlichen AKWs. Wir wiederholen: Dazu müsste wieder die Kernindustrie aufgebaut werden, die gerade zurückgebaut wird, abgeschafft durch die CDU/CSU. Kosten und Nutzen für einen Neueinstieg stehen in keinem noch vertretbaren Verhältnis. Wenn eine Fortsetzung der Kernkraft - z. B. zum Erreichen der Klimaziele - gewünscht gewesen wäre, hätte 2019 eine große Inspektion für die damals noch laufenden AKWs erfolgen und neue Brennstäbe bestellt werden müssen. Da die AKWs abgeschrieben waren, wäre die Stromerzeugung billiger gewesen. Aber jetzt ist der Zug nun einmal abgefahren.
Transmutationsanlage
Der bayerischen Regierung liegt eine „Umsetzungsstudie über eine beschleunigergetriebene Neutronenquelle am Standort eines ehemaligen Kernkraftwerks zwecks Produktion von Krebsmedikamenten, Fernwärme und geothermischer Energie sowie zur Entsorgung hochradioaktiver Abfälle“ der TRANSMUTEX, ein Startup-Unternehmen aus der Schweiz, vor /Link1/, komplette Studie, pdf /Link2/. Die Anlage besteht aus einem Protonenbeschleuniger, einem Target zur Erzeugung von Neutronen und einem unterkritisch ausgelegten Reaktor. Im Prinzip, wie die im Bau befindliche Anlage in Mol/Belgien. Außerdem befinden sich im selben Gebäude die Räume für die Aufarbeitung der bestrahlten Brennstäbe aus dem Reaktor. Es könnte der Eindruck entstehen, dass man die Anlage nur für ca. zwei Milliarden Euro bestellt und erhält und schon ist das Problem der Endlagerung stark reduziert (siehe z. B. /Link/.
Wir sind der Meinung, dass das ein schöner Traum ist.
Mit Transmutation wird die Umwandlung der hochradioaktiven Spaltprodukte in den „abgebrannten“ Brennstäben in weniger radioaktive bzw. nicht so lange strahlende chemische Elemente /Link/ bezeichnet. Ziel ist die Verringerung des radioaktiven Mülls, der in einem Endlager entsorgt werden muss.
Wenn Atome mit schnellen Neutronen beschossen werden, werden diese Atome - je nachdem um was für ein Element es sich dabei handelt - entweder gespalten (wie in einem AKW) oder das Neutron wird eingebaut. Oft strahlt dann das Element und wandelt sich dabei (häufig mehrmals) um. Diese Prozesse sind sehr vielfältig, wurden aber bereits in diversen Forschungseinrichtungen, auch im Ausland, sehr genau erforscht und sind bekannt.
Die Herausforderung besteht jedoch darin, dass in einem verbrauchten Brennstab ein Gemisch von vielen Elementen, sogar von manchen Elementen mehrere Isotope /Link/ vorhanden sind. Wenn auf dieses Gemisch schnelle Neutronen treffen, werden manche Elemente wie gewünscht in ungefährlichere Elemente und andere in noch gefährlichere Elemente umgewandelt. Die Transmutation in einem Reaktor kann nur gelingen, wenn vor und nach jeder Bestrahlung mit Neutronen, das Gemisch der Elemente, die zum Teil hoch radioaktiv sind, in einer Wiederaufbereitungsanlage vor Ort getrennt werden können, was zurzeit großtechnisch teilweise nirgendwo erprobt ist. Unter den Elementen befinden sich auch starke Gammastrahler, deshalb muss die Anlage gut abgeschirmt und die Aufbereitung automatisiert sein. Schon daran wird u. E. die Transmutationsanlage scheitern.
Für die Umwandlung der Elemente in großem Stil werden sehr viele Neutronen pro Sekunde benötigt, mehr als ein Beschleuniger derzeit liefern kann. Dieses Problem wird dadurch umgangen, dass der Reaktor hart an der Grenze, an der er kritisch wird, betrieben wird, also schon fast wie ein Schneller Brüter /Link/. Der Reaktor muss sicher gekühlt werden (das Unternehmen sieht das positiv: Die Wärme soll verkauft werden) und u. E. zusätzlich mit Bremsstäben abschaltbar sein. Nur das Abschalten des Beschleunigers wird u. E. nicht ausreichen, weil nicht garantiert werden kann, dass der Reaktor, einschließlich des ihn umhüllenden Bleimantels als Target, unter allen Umständen unterkritisch bleibt.
Letztendlich haben das Startup-Unternehmen und der TÜV Nord - meiner Meinung nach - keine Erfahrung mit dem Bau einer Transmutationsanlage.
Es wäre u. E. verheerend, wenn der Bund letztendlich gezwungen wäre, solche bayerischen Alleingänge (finanziell) ausbaden zu müssen. Man könnte prüfen, ob sich Deutschland an dem belgischen MYRRHA-Projekt beteiligen sollte. In Belgien gibt es noch eine Atomforschungsanlage und das Risiko wäre auf Partner verteilt.
Genaueres kann der „Fachstellungnahme“ des Bundesamtes für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung (BASE) entnommen werden /Link pdf/.
Fusion
In der Anlage ITER in Cadarache (Südfrankreich) und in der Stellaratoranlage Wendelstein 7-X in Greifswald (Mecklenburg-Vorpommern) wird versucht, in einem Wasserstoff-Plasma solche Bedingungen zu erreichen, dass der Wasserstoff zu Helium fusioniert.
Es bestehen gute Aussichten, dass das in beiden Anlagen gelingen könnte. Zurzeit befindet sich Wendelstein 7-X in einer Wartungsphase und wird voraussichtlich im September 2026 wieder den Experimentierbetrieb aufnehmen /Link1/, /Link2/. Vermutlich wird man anstelle des (leichten) Wasserstoffs, Deuterium oder Tritium zu Helium fusionieren, weil die Bedingungen für die beiden Isotope für eine Fusion günstiger sind.
Für weitere Infos verweisen wir auf unseren Beitrag „Kernfusion“, der trotz seines älteren Datums im Wesentlichen immer noch aktuell ist, außer dass mittlerweile die Erfolgsaussichten größer geworden sind als 2006 (mit diversen Nachträgen bis 2017) von uns angenommen.
Es ist sinnvoll, wenn bereits jetzt erste Planungen für einen Bau des Demonstrationsstellarators „Alpha“, als Nachfolgeanlage von Wendelstein 7-X, durchgeführt werden. Dazu wurde bereits in diesem Jahr eine Rahmenvereinbarung mit dem Startup-Unternehmen Proxima Fusion abgeschlossen /Link/.
In der Forschungsanlage Wendelstein 7-X wird „nur“ geklärt, wie die Fusion dauerhaft aufrechterhalten und wie aus dem Plasma ständig Verunreinigungen und das entstehende Helium entfernt werden kann. Ein wesentlicher Bestandteil sind die Magnete, die das ca. 100 000 000 °C heiße Plasma einschließen, denn an die Wände des Stellarators darf es nicht gelangen.
In der Demonstrationsanlage Alpha soll zukünftig erforscht werden, wie die entstehende Wärme technisch nutzbar gemacht und die Demoanlage dauerhaft mit Wasserstoff (Tritium) versorgt werden kann. Das Tritium soll dann dauerhaft aus dem Lithium in der Reaktorwand durch Kernumwandlung mit den bei der Fusion entstehenden Neutronen erzeugt werden.
Aus unserer Sicht ist es aber riskant, mit dem Bau einer Demonstrationsanlage zu beginnen, bevor nicht nachgewiesen wird, dass Wendelstein 7-X dauerhaft Fusionsenergie liefern könnte, wenn die Wände um das Plasma herum physikalisch-technisch mitspielen würden. Also alle Fragen zum Plasma und zu den Magneten sollten vorher geklärt sein. Im Unterschied zu einer Transmutationsanlage gibt es in Deutschland gute Wissenschaftler und Ingenieure auf dem Gebiet der Fusion, um Schnellschüsse aus der Politik (Lobbyismus) abwehren zu können.
Wir schlagen vor, jetzt schon größere Mengen Niob einzukaufen und zu lagern. Niob ist ein selten vorkommendes Schwermetall und wird für die supraleitenden Magneten gebraucht. Sollte die Nachfrage weltweit plötzlich danach steigen, könnte es knapp und sehr teuer werden.
Einen großen Vorteil sehen wir darin, dass selbst von großen Fusionsanlagen - im Unterschied zu AKWs - bei einer möglichen Beschädigung/Zerstörung nur eine geringe Gefahr ausgeht. Allerdings wäre der finanzielle Schaden immens.
Vielleicht wird man bereuen, die Kühltürme des stillgelegten AKWs Gundremmingen (voreilig) Okt. 2025 gesprengt zu haben /Link/, denn ausreichende Kühlung braucht man für SMRs, Transmutations- und Fusionsanlagen selbstverständlich auch.
Unbedingt jetzt brauchen wir u. E. für Deutschland einschließlich Bayern vermehrt Strom. Dazu benötigen wir sofort Pumpspeicherkraftwerke, Stromleitungen, Endlager und der Ausbau von Photovoltaik und Windkraft, sowie ausreichend Ladestationen für PKWs und LKWs.
06.04.2026 r