Kartelle

Die Energieversorgungsunternehmen (EVU) haben die Gebiete, die sie mit Gas und Elektrizität versorgen, untereinander aufgeteilt. Der Aufbau eines Stromnetzes, beispielsweise mit den Leitungen, Trafos, Schaltern und was sonst alles dazu gehört, ist so teuer, dass es unwirtschaftlich ist, in einem Gebiet zwei oder noch mehr unabhängige Stromnetze aufzubauen. Damit ist, was die Verteilung der Elektrizität betrifft, der Wettbewerb ausgeschlossen. Wettbewerb ist also nur noch bezüglich der Stromerzeugung und der Abrechnung möglich. Theoretisch könnte ein Verbraucher bei einem französischen Kraftwerk den Strom kaufen und dann von E.ON und dem örtlichen EVU durch ihr Netz liefern lassen. Die Firmen werden dabei ihre beherrschende Stellung ausnutzen, weil sie keine Sozialeinrichtungen sind, sondern ihre Aktionäre bedienen müssen. Dies wird so geschehen, dass die EVU die Kosten für ihre eigene Stromerzeugung sehr niedrig und die Stromdurchleitungskosten möglichst hoch ansetzen werden.

Der Staat muss also die echten Stromdurchleitungskosten selbst ermitteln und dann durchsetzen. Dies ist eine der Aufgaben der Bundesnetzagentur /Link/, einer staatlichen Behörde. Allerdings kann die Netzagentur nur richtig arbeiten, wenn die Politiker sie voll stützen. Z. Z. versuchen dies einige Minister bzgl. der Strompreise, hoffentlich mit Erfolg. Der Staat muss die EVU verpflichten, alle dazu erforderlichen Unterlagen offenzulegen. Wäre es nicht sogar sinnvoll, die Buchführung der EVU allgemein (im Internet) zugänglich zu machen, damit jeder nachprüfen kann, ob die Strompreise korrekt berechnet worden sind? Was spricht dagegen? Es wäre darüber nachzudenken, ob im Aufsichtsrat nicht fachkundige Vertreter der Kunden sitzen sollten, die nicht von der Firma, sondern aus Steuergeldern zu bezahlen sind.

Um die EVU zu zwingen, die Versorgungssicherheit zu garantieren, müssten die EVU hohe Strafen und Schadensersatz zahlen, wenn der Strom ausfällt. Nur so kann gewährleistet werden, dass der Strom nicht ausfällt, weil das Stromnetz nicht richtig gewartet wird, wie z. B. bei dem großen Stromausfall im Münsterland im November 2005 nach starkem Schneefall. Man hatte wohl aus Kostengründen die Beheizung der Stromleitungen zu spät eingeschaltet. Die zum Teil katastrophalen Verhältnisse bei der Stromversorgung in den USA sollte uns Europäern eine Warnung sein. Wir werden diese Verhältnisse ebenfalls erreichen, wenn die EVU nur ihre Aktionäre bedienen wollen und deshalb die Investitionen reduzieren. Manchmal geben übereifrige Politiker den EVU Schützenhilfe, wenn sie fordern, Stromkraftwerke stillzulegen, weil angeblich eine Überkapazität bestünde. Diese Politiker bedenken nicht, dass ein Kraftwerk schon dann vorhanden sein muss, wenn es im Jahr nur wenige Minuten (!) Strom produzieren muss. Wenn auch nur minutenweise mehr Strom gebraucht wird als erzeugt werden kann, bricht das Stromnetz zusammen und es ist mühsam, die Stromversorgung wieder aufzunehmen.
20.10.2006

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