Gewinnung von Erdgas mittels Fracking

(Mit Nachträgen vom 22.05.2013 und 02.06.2013)

Kompakt:

  • Fracking bedeutet Förderung von Erdgas/Erdöl durch Aufbrechen tiefliegender Gesteinsschichten durch Einpressen von Wasser, Sand und Chemikalien in Bohrlöcher.
  • Dies kann zu einer Zerstörung der Landschaft und Gefährdung von Grundwasser führen.
  • Wenn Fracking angewandt wird, sind deshalb hohe (teure) Sicherheitsmaßnahmen erforderlich, um Schäden zu vermeiden.

Fracking (fracture, aufbrechen) ist eine Methode, um vor allem Erdgas und evtl. auch Erdöl, das in Hohlräumen tiefer liegender Gesteinsschichten eingeschlossen ist, heraus zu holen. Hierzu werden Bohrungen zu den Erdgas führenden Gesteinsschichten durchgeführt und dann in die Bohrlöcher mit hohem Druck ein Gemisch aus Wasser, Sand und einer Reihe von Chemikalien hineingepresst. Dadurch werden Risse in der Gesteinsschicht erzeugt, durch die dann das Erdgas (ggf. auch Erdöl) zu den Bohrlöchern und von da aus an die Erdoberfläche strömen kann. Mit dem Sand werden die erzeugten Risse offengehalten und die Chemikalien sorgen u. a. für den besseren Fluss des Wasser-Sand-Gemisches, Auflösung von Mineralien sowie den Korrosionsschutz der Anlage.

Die Fracking-Methode ist sehr kostenintensiv, weil man viele Bohrungen benötigt (ca. eine Bohrung pro Quadratkilometer), wobei, wenn die senkrechte Bohrung die gewünschte Gesteinsschicht erreicht hat, auch waagerecht weiter gebohrt werden muss. Danach muss das Flüssigkeits-Sand-Gemisch hineingepresst werden.

In den USA wurde mit dieser Methode so viel Erdgas und auch Erdöl gewonnen, dass dort der Preis für Energie stark zurückgegangen ist.

In Deutschland gibt es mehrere Gebiete, wo sich Erdgasvorkommen befinden, vor allem in NRW und Niedersachsen, aber auch kleinere Lagerstätten in Bayern. Insgesamt könnten es zwischen 0,7 und 2,3 Billionen Kubikmeter Gas sein.

In Deutschland werden im Jahr ungefähr 100 Milliarden Kubikmeter Gas verbraucht. Das bei uns vorhandene Erdgas würde also schätzungsweise für 7 bis 23 Jahre reichen. Z.Z. werden nur ca. 14 % des benötigten Erdgases bei uns in Deutschland gefördert, der Rest wird importiert (30 % aus Russland, 27 % aus Norwegen, 20 % aus den Niederlanden und 9 % aus anderen Staaten).

Das möglicherweise vorhandene Gas weckt bei Politikern, vor allem der Bundesregierung - insbesondere der FDP - und der Industrie Begehrlichkeiten. Sie wollen uns glauben machen, dass man nur die Erdgasförderung hochfahren muss und schon steht genügend Energie zu günstigen Preisen zur Verfügung.

Der Preis dafür kann aber die Zerstörung der Landschaft in großen Teilen Deutschlands und der Gesundheit der Menschen sein. Fracking ist nicht nur kostspielig, sondern auch eine höchst riskante Technik und sollte, wenn überhaupt, nur unter großen Sicherheitsanforderungen erlaubt werden.

Worin bestehen die Risiken?

  • Bevor das erste Gas aus der Bohrung strömt, kommt ein großer Teil des in die Erde gepressten Gemisches wieder aus dem Bohrloch heraus. Es müssen also große Mengen Wasser, vermischt mit den giftigen Stoffen und mit den im Boden gelösten Salzen, aufgefangen und entsorgt werden. Dazu müssen spezielle Anlagen gebaut werden; normale Kläranlagen sind dafür ungeeignet.
  • Erfahrungen in den USA zeigen, dass auch an einigen Stellen Methan (Hauptbestandteil von Erdgas) austreten kann. Siehe den Youtube-Film: „Brennendes Wasser durch Fraking“ /Link/. Austretendes Methan ist ein Klimakiller und, wenn es sich irgendwo ansammelt, hoch explosiv.
  • Die Bohrlöcher werden mit Zement abgedichtet, um zu verhindern, dass die giftigen Stoffe nicht in höher gelegene Erdschichten gelangen können. Aber die Chemikalien haben ja gerade die Aufgabe, u. a. die Risse offen zu halten. Die Säuren im Chemikaliencocktail können daher auch den Zement zerstören, so dass unbemerkt Grundwasser verseucht werden könnte.
  • Die Erdgas führenden Schichten sind zwar 1000 m oder mehr unter der Erdoberfläche, aber selbst dort lässt sich schwer abschätzen, ob die Chemikalien nicht mit dem Tiefenwasser weitertransportiert werden können und irgendwo das Grundwasser verseuchen.
  • Für Tracking wird viel Wasser benötigt, was extra herangeschafft werden muss.
  • Die vielen erforderlichen Bohrtürme und zugehörigen Anlagen tragen nicht zur Verschönerung der Landschaft bei. Windmühlen und Hochspannungsleitungen verschandeln das Landschaftsbild ohnehin schon. Deutschland ist schließlich wesentlich dichter besiedelt als die USA (D: 230 Einwohner pro km2, USA: 32 Einwohner pro km2).
  • Kleinere Erdbeben und Schäden wie in Bergbauregionen können nicht ausgeschlossen werden.
  • Im Umkreis von Gebieten, wo Fracking betrieben wird, ist keine Tiefengeothermie möglich.

In Frankreich wurde aus diesen Gründen die Erdgasgewinnung mittels Fracking verboten. In Deutschland sollte man die Erdgasgewinnung mittels Fracking - wenn überhaupt - dann nur in speziellen, geeigneten Gebieten zulassen - einzelne Vorhaben laufen bereits - und mit der gleichen gebotenen Sorgfalt wie die Kernenergie überwachen. Auf keinen Fall sollten Politiker mit ihren Entscheidungen, nur, weil sie bei der Energiewende kurzfristigen Erfolg verbuchen möchten, blindlings langfristige Schäden anrichten. - Es riecht manchmal nur nach eigenem Machterhalt.

Quellen

Wikipedia /Link/
Erdöl und Erdgas in der Bundesrepublik Deutschland 2011
Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie, Hannover 2012 /Link/
Bayern gegen neue Gasförderung /Link/
„Tabu im Untergrund“ Spiegel Nr. 10/ 4.3.13, Seite 46 ff /Link/

Diverse Beiträge des Rundfunks:
http://www.tagesschau.de/inland/fracking130.html 26.02.2013
http://www.tagesschau.de/inland/fracking120.html 26.02.2013
http://www.n-tv.de/ticker/Altmaier-sieht-vorerst-keine-Chance-fuer-Fracking-article10195981.html 26.02.2013
http://www.tagesschau.de/wirtschaft/fracking-deutschland100.html 11.02.2013
http://www.daserste.de/information/wissen-kultur/w-wie-wissen/sendung/2012/fracking-100.html 23.09.2012
http://www.tagesschau.de/inland/fracking100.html 06.09.2012
http://www.br.de/fernsehen/das-erste/sendungen/report-muenchen/videos-und-manuskripte/regierung-und-fracking100.html 29.11.2011
http://www.br.de/fernsehen/das-erste/sendungen/report-muenchen/videos-und-manuskripte/manuskript-fracking100.html 29.11.2011
08.03.2013 gmr

Ergänzung am 09.03.2013: Andere Begriffe, die auch für Fracking verwendet werden: „Hydraulic Fracturing“, „Hydrofracking“, „hydraulisches Aufbrechen“, „hydraulische Risserzeugung“, „hydraulische Stimulation“ oder einfach „Stimulation“ /Link/. Das Erzeugen von Rissen im Untergrund wird auch in der Tiefengeothermie (auch „Tiefen Geothermie“ geschrieben) verwendet.
 
 

Nachtrag vom 22.05.2013

Bisher hat es die Schwarz-gelbe-Regierungskoalition versäumt, die Anwendung von Fracking zur Gewinnung von Erdgas/Erdöl gesetzlich zu regeln. Jetzt hat sie dem Bundestag einen Entwurf zur Änderung des Wasserhaushaltsgesetzes (WHG) vorlegen wollen, ihn dann aber zurückgezogen. In Kürze soll er mit „kosmetischen“ Änderungen wieder vorgelegt werden. Einziger Vorteil der geplanten Gesetzesänderung: Fracking soll jetzt gesetzlich geregelt werden.

Aber die so vorgesehene Gesetzesänderung erfüllt nicht einmal die Mindestanforderung für einen verantwortlichen Umgang mit der Fracking-Methode. Es beinhaltet, kurz zusammengefasst: In Wasserschutzgebieten ist Fracking verboten, aber sonst können die Firmen und Behörden deutschlandweit machen, was sie wollen, oder jedes Bundesland muss seine eigene Gesetzgebung dazu haben. - Asse lässt grüßen: Hier wurden die radioaktiven Abfälle mit behördlicher Genehmigung in das dafür ungeeignete, aufgelassene Salzbergwerk entsorgt und sollen jetzt nach einem Wassereinbruch aufwendig wieder herausgeholt werden. Trotz solcher Erfahrungen haben Firmen und Kontroll-Behörden offenbar kaum dazu gelernt. Auch die beim Fracking verwendeten giftigen Chemikalien sind schon bei (oberirdischen) Unfällen ins Grundwasser gelangt, ohne dass die zuständigen Behörden dies ausreichend kontrolliert haben /Link/.

Aus diesem Grund finden wir es richtig, dass sich die SPD-Fraktion gegen Fracking ausspricht, solange dabei gefährliche Chemikalien verwendet werden. Die SPD fordert zu Recht solange einen generellen Stopp des Frackings, bis ein zufriedenstellender Gesetzesvorschlag vorliegt /Link1/, /Link2/, Sonst besteht die Gefahr, dass Firmen fortfahren, die Gas-/Öl-Vorkommen auszubeuten, ohne Rücksicht auf Umweltschäden, nur aus Profitgier - das wäre ja nichts Neues.

Aus unserer Sicht reicht es nicht aus, nur in Wasserschutzgebieten Fracking zu verbieten. Wasser kann unterirdisch weit fließen, die Strömungswege sind im Allgemeinen unbekannt. Das Wasser kann auch aus dem Untergrund wieder hervortreten, also sich nicht nur horizontal, sondern auch je nach Gesteinsformation vertikal bewegen. Unserer Ansicht nach kann nicht ausgeschlossen werden, dass sich Chemikalien, die bei einer Tiefbohrung verwendet wurden, nach Jahrzehnten im Wasser z. B. einer Brauerei befinden, die 100 km und mehr von der Bohrung entfernt liegt /Link1/, /Link2/.

Unabhängig von den dabei verwendeten Chemikalien sind beim Fracking - wie oben erwähnt - die aus der Geothermie und dem Bergbau bekannten Schäden und zusätzlich die unkontrollierte Ausbreitung von Erdgas, -öl und den zusätzlich in den Rissen gelösten Mineralsalzen durch die künstlich erzeugten Risse im Untergrund zu befürchten.

Wir schlagen vor, Fracking bis auf wenige Ausnahmen in Deutschland zu verbieten und eine evtl. Ausbeutung der Erdgas- und Erdölvorkommen späteren Generationen zu überlassen, wenn die fossilen Rohstoffe wirklich knapp geworden sind und diese Technik beherrscht wird. Vorerst werden unsere und nachkommende Generationen noch genug damit zu tun haben, die regenerativen Energien einzuführen, andere uns vertraute Energiearten besser einzusetzen und vor allem den Energiehunger einzuschränken. U. E. wäre es sehr kurzsichtig, nur um den kleinen Koalitionspartner der schwarzgelben Bundesregierung retten zu wollen, Fracking weiterhin nahezu unkontrolliert auszubauen.
22.05.2013 gmr
 
 

Nachtrag vom 02.06.2013

Der Sachverständigenrat für Umweltfragen (SRU) /Link/ hat am 31.05.2013 in Berlin seine „Stellungnahme“ zum Fracking vorgestellt, aus der (Seite 45) hier zitiert sei:

„Im Ergebnis kommt der SRU hinsichtlich des Frackings zur Schiefergasförderung zu folgenden Schlussfolgerungen:

  • Fracking ist energiepolitisch nicht notwendig und kann keinen maßgeblichen Beitrag zur Energiewende leisten.
  • Fracking ist im kommerziellen Umfang derzeit wegen gravierender Wissenslücken nicht zuzulassen.
  • Fracking ist erst auf der Basis positiver Erkenntnisse aus systematisch zu entwickelnden Pilotprojekten verantwortbar.“

Pressemittelung /Link/
„Stellungnahme“ /Link/ (pdf, 1,2 MB)
02.06.2013 r

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